[ Fehntjer Kurier ]

Geschichten aus dem Overledingerland

Liebevoll gesammelt und aufs getreulichste nacherzählt von Michael Till Heinze


Fehntjer Kurier vom 04.04.1991


 

Mühle Hahnentange war die Osterattraktion


 

Eine stattliche Besucherzahl konnte Michael Till Heinze, der erste Vorsitzende des Mühlenvereins Hahnentange, begrüßen.

 

Fotos: Groeneveld

Wind wehte genügend, so daß Artur Marks, Bernhard Böning und Lukas Fehnen die Mühle in Gang setzen konnten.


 

Kurz nach 15 Uhr schloß Anni Haase die Mühlentür auf. Assistiert wurde ihr dabei von Michael Till Heinze und Erhard Borde.

 

 

Volksfeststimmung unter den sich drehenden Flügeln


 

Vor den von Kindern gebauten Legomühlen bildeten sich schnell Besuchertrauben.

 

 

Westrhauderfehn (gro). Große Kinderaugen waren zu sehen, als sich die Flügel der Hahnentanger Mühle am Ostersonntag wieder drehten. Die Wiedereröffnung der Mühle war überhaupt ein großer Familientag.

Im Vorfeld hatten Kinder aus den Kindergärten Burlage, Klostermoor und St. Michael sowie aus den Umliegenden Grundschulen kleine Mühlen gebaut. Diese kleinen Kunstwerke aus Legobausteinen waren nun im Erdgeschoß ausgestellt. Dort sammelten sich auch gleich Besuchertrauben. Die Kinder zeigten ihren Eltern und auch Großeltern ,,ihre" Mühle, beantworteten interessiert Fragen dazu und zeigten, wie sich die Flügel drehen. Es wurden aber auch die anderen Legomühlen bestaunt und ausprobiert, zum Beispiel, ob der Elektromotor wirklich funktioniert. Unter jeder dieser Mühlen stand fein säuberlich der Name seines Erbauers. Abholen können die Kinder ihre - dann vielleicht prämierte - Mühle wieder am nächsten Sonntag.

Der erste Vorsitzende des Mühlenvereins, Michael Till Heinze, begrüßte viele Mühleninteressierte, unter ihnen Rhauderfehns Bürgermeister Erhard Borde, Gemeindedirektor Jörg Furch, die Ratsherren Herbert Broich und Wilhelm Luikenga, Landessuperintendent Koch und den Künstler Eggo Andreesen. In seiner auf plattdeutsch gehaltenen Begrüßungsrede betonte Heinze, daß die Mühle keine Konkurrenz zum Fehn- und Schiffahrtsmuseum sein solle, sondern allenfalls eine Ergänzung.

Borde beschrieb die Wiedereröffnung der Mühle in seinem Grußwort als "Freudentag für alle Mühlenfreunde". Auch sei er froh darüber, daß der erst im Februar gegründete Mühlenverein der Gemeinde die Sorge um die Nutzung der Mühle abgenommen habe.

In einer humorvollen Überleitung von Heinze bekam Hendrik aus Emden, ein Enkel des letzten Mühlenbesitzers Karl Haase, ein Mühlenrätsel gestellt. Während der Bedenkzeit wurde zu den Tönen der Drehorgel von Wilke Junker die Mühle in Gang gesetzt. Nun kam der große Moment für Anni Haase, der Witwe von Karl Haase. Nachdem ihr Bürgermeister Borde zuvor den Schlüssel für die Mühle übergeben hatte, schloß sie die Tür des alten Bauwerks auf. Die vielen Besucher strömten daraufhin in die Mühlenräume. Bereits nach einer Stunde waren alle 250 der symbolisch gedruckten Eröffnungskarten verteilt.

Im Mühleninnern ist eine umfangreiche Sammlung aller Dinge zu sehen, die etwas mit dem früheren Müllerleben zu tun hatten: angefangen von alten Mehlsäcken über Arbeitsgeräte des Müllers bis hin zu Zahnrädern der ehemaligen Wassermühle am Hauptfehnkanal.

Bei dem zuletzt genannten handelt es sich um eine Leihgabe von Heinrich Gosch. Dieser stellte neben weiteren Dingen auch als Rarität ein Foto der genannten Wassermühle zur Verfügung. Zum erstenmal ausgestellt ist im Obergeschoß auch ein Aquarell der Wassermühle, welches Hermann Freede gemalt hat. Daneben sind noch andere besondere Exponate von ihm zu sehen, die wie alle anderen Leihgaben mit kleinen Hinweisschildern versehen sind.

Eine kleine Sensation ist auch die älteste Karte des Mühlenwegs von 1808 durch das Langholter Meer. Diese Karte, die zufällig im Staatsarchiv Aurich gefunden wurde, war bislang noch nie zu sehen.

Nicht vergessen werden darf eine weitere Seltenheit, nämlich die zum Verkauf angebotenen ,,Bilder aus Rhauderfehns Vergangenheit" von Sophie Fastenau. Daß das Konzept des Mühlenvereins von vielen Seiten Zustimmung fand, zeigt auch die Unterstützung aus der Bevölkerung. Viele Zeitungsausschnitte zur Mühlengeschichte des Overledingerlandes wurden für die Ausstellung beigesteuert.

Nach der ersten Bewährungsprobe kann sich der Mühlenverein Hahnentange über das rege Interesse aus der Bevölkerung freuen. Außerdem kann er sich sicher sein, eine zusätzliche Attraktion für den Fremdenverkehr geschaffen zu haben. Das belegen eindrucksvoll viele Eintragungen von Gästen, die teilweise aus Berlin und Südniedersachsen angereist waren.


 

Besuche auch weiter möglich

Westrhauderfehn. - Natürlich nicht auf das vergangene Wochenende beschränkt bleiben sollte ein Besuch in der Mühle Hahnentange. Ganz im Gegenteil, manche der wertvollen Exponate entfalten ihre Wirkung auf den Betrachter erst dann, wenn er die nötige Ruhe zum Anschauen hat. Daher ist die neue Attraktion auch während der Woche geöffnet, und zwar jeden Donnerstag in der Zeit von 15 bis 18 Uhr. Auch sonntags zwischen 15 und 18 Uhr kann die Mühle besichtigt werden. Falls die Winde günstig wehen, dreht sich dann auch der große Flügel.


 

Es war ein ständiges Kommen und Gehen innerhalb und außerhalb der Mühle.


 

Im Inneren der Mühle besahen sich die Mühlenfreunde die zahlreichen Ausstellungsstücke.


 

Auf dieser alten Schreibmaschine schrieben die Hahnentanger Müller.


 

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